✍️ Gastbeitrag 🚀 Gründen im Studium

Gründen im Studium: Wie eine absurde Beobachtung zur größten Sharing Community Deutschlands wurde

Maximilian Lehmann ist Informatik-Student an der Universität Hamburg und Gründer von fainin — Deutschlands größter Peer-to-Peer-Sharing-Community. Er hat fainin während seines Studiums gegründet, nicht nach einem Masterplan, sondern nach einer einfachen Beobachtung.

Alles begann in einer kleinen Freundesgruppe...  

fainin – Deutschlands größte Sharing Community, gegründet im Studium
Vom Side Hustle zur Firma

Eine Soundboks, die 99 % der Zeit herumsteht. Der erste Schritt war keine Geschäftsidee — es war eine Beobachtung.

Die Uni als Wachstumsmotor

Erasmus, IT-Entrepreneurship-Kurs, UHH Teilt: Wie Universitätskooperationen das Henne-Ei-Problem lösten.

Das Prinzip wird Plattform

Von der App zur White-Label-Lösung: 2-SHARE.de ermöglicht exklusive Sharing-Spaces für Unternehmen und Institutionen.

Dinge stehen herum. Das ist absurd.

Ich habe keine klassische Gründungsgeschichte. Ich hatte keinen Mentor, der mir gesagt hat: „Maximilian, du musst gründen.” Ich hatte kein Pitch-Deck. Ich hatte eine Soundboks.

Eine Soundboks, die zu 99 Prozent der Zeit in meinem Zimmer stand.

Das fand ich absurd. Nicht im Sinne von: „Ich sehe eine Marktlücke.” Sondern im Sinne von: Das ergibt keinen Sinn. Ein Gerät, das ich für über 2.000 Euro gekauft hatte, arbeitete vielleicht drei Wochenenden im Jahr. Den Rest der Zeit: Staub fangen.

Ich war Informatik-Student. Ich hatte nicht besonders viel Geld. Und ich hatte ein teures Gerät, das in der Ecke stand und mir jeden Monat das schlechte Gewissen gab, dass ich es mir eigentlich hätte sparen können. Wenn man Dinge aus der Perspektive der tatsächlichen Nutzung betrachtet — wie viele Stunden pro Jahr wird etwas wirklich verwendet? — dann ist Besitzen oft die unlogischste Entscheidung, die man treffen kann.

Diese eine Beobachtung hat alles verändert.

Soundboks – event equipment auf fainin verleihen und Geld verdienen

Die erste Vermietung

Ich habe angefangen, die Soundboks zu vermieten. Kein großer Plan — einfach: Wenn sie sowieso herumsteht, kann sie auch jemandem anderen nützen. Und wenn ich dabei noch etwas verdiene, kann ich irgendwann den Kaufpreis refinanzieren.

Was ich unterschätzt hatte: wie wichtig ein zuverlässiger Prozess ist. Ich habe von Anfang an klare Absprachen getroffen, pünktliche Übergaben eingehalten, auf Nachrichten schnell geantwortet. Nicht weil ich ein Unternehmen aufbauen wollte — sondern weil ich es als Privatperson einfach richtig machen wollte.

Das hat sich herumgesprochen — nicht durch Marketing, sondern durch Mundpropaganda. Auf einmal kamen Anfragen von Freunden, Kommilitonen, Bekannten. Ich habe mir mehr Equipment zugelegt: PA-Anlagen, Lichttechnik, weiteres Event-Equipment. Alles Dinge, die die meiste Zeit ungenutzt herumstanden — bei mir und bei anderen.

💰 Passives Einkommen
🔊 Sound Equipment
🤝 Mundpropaganda

Das Prinzip trifft auf ein echtes Problem

Als ich vom Land in die Stadt zog, wurde mir klar: Ich hatte keine Ahnung, ob ich das rechtlich überhaupt darf. Was passiert, wenn ein gemietetes Gerät kaputtgeht? Wer haftet? Gibt es überhaupt eine Versicherung für privates Verleihen?

Ich hätte aufhören können. Das wäre die naheliegende Reaktion gewesen: zu riskant, zu unklar, zu viel Aufwand. Stattdessen habe ich mich hingesetzt und den Prozess analysiert.

Das Problem war nicht das Verleihen selbst — das Problem war die fehlende Infrastruktur dahinter. Kein digitaler Vertrag. Keine automatische Versicherung. Keine sichere Zahlungsabwicklung. Alles lag im analogen Graubereich, in dem die meisten privaten Vermieter schlicht aufhören, weil der nächste Schritt zu kompliziert wirkt.

Ich wollte das nicht akzeptieren. Also habe ich angefangen, jeden einzelnen Schritt zu digitalisieren — und dann das Gespräch mit ERGO gesucht. Ein Informatik-Student, der einem der größten Versicherungskonzerne Deutschlands erklärt, warum sie eine Partnerschaft für Peer-to-Peer-Verleihen eingehen sollten. Ich weiß noch, wie absurd das klang, als ich es zum ersten Mal aussprach.

Die Uni als Wachstumsmotor

In meinem Erasmus-Jahr an der Bilgi Universität in Istanbul habe ich zum ersten Mal einen strukturierten Business Plan für das geschrieben, was ich intuitiv bereits aufgebaut hatte. Der Abstand vom deutschen Alltag hat geholfen: Plötzlich konnte ich das, was ich tat, aus einer anderen Perspektive sehen.

Zurück in Hamburg habe ich den Kurs „IT-Entrepreneurship” an der Uni Hamburg belegt und dort das Fundament für fainin formalisiert. Aus einer Idee wurde ein Konzept. Aus einem Konzept wurde ein Team.

Die Lösung kam durch eine Partnerschaft mit Prof. Dr. Laura Edinger-Schons und Uwe Lübbermann an der Uni Hamburg: Wir haben „UHH Teilt” ins Leben gerufen — einen exklusiven Bereich in der fainin-App, auf den nur Studierende und Mitarbeitende der Universität Hamburg zugreifen können. Eine Universität ist keine Werbefläche — sie ist eine Community. Das löst das Henne-Ei-Problem nicht durch Marketing, sondern durch Struktur.

UHH Teilt hat funktioniert — so gut, dass es zum Modell für andere Universitäten geworden ist: die Freie Universität Berlin, die CAU Kiel, die International School of Management und viele weitere Hochschulen in ganz Deutschland, die seitdem Partnerschaften mit fainin gestartet haben.

Das Prinzip wird Plattform

Die Vision von fainin ist dieselbe geblieben, seit ich die erste Soundboks vermietet habe: Dinge, die herumstehen, sollen genutzt werden. Sicher. Einfach. Vertrauenswürdig.

Was sich verändert hat, ist die Strategie. Heute bieten wir unter 2-SHARE.de eine White-Label-Lösung an: Unternehmen, Universitäten oder andere Institutionen können einen exklusiven Sharing-Space für ihre Mitglieder aufbauen — mit derselben Absicherung, aber in einem vollständig geschlossenen Umfeld. Nur wer zur Institution gehört, kann zugreifen.

Alle Kanäle — öffentliche App, geschlossene Uni-Spaces, B2B-Integrationen — laufen auf fainin zusammen. Heute ist fainin Deutschlands größte und sicherste Sharing Community. Nicht weil wir von Anfang an wussten, wo wir landen würden — sondern weil das Grundprinzip immer stimmte.

fainin App – Deutschlands größte Sharing Community

Was ich Studierenden mitgeben will

💡 Learning 1

Fang mit dem Offensichtlichen an

Die beste Startup-Idee ist keine Idee — es ist eine Beobachtung. Was findest du absurd? Was nervt dich in deinem Alltag? Was steht ungenutzt herum? Ich hatte keine Vision, als ich anfing. Ich hatte eine Soundboks und ein schlechtes Gewissen.

🎓 Learning 2

Nutze die Uni, bevor du sie verlässt

Ein Erasmus-Semester hat mir Distanz gegeben. Ein Kurs hat mir Struktur gegeben. Eine Professorin hat mir ein Netzwerk geöffnet. Diese Ressourcen sind da — du wirst sie nie wieder so günstig bekommen wie während des Studiums.

🔥 Learning 3

Löse echte Probleme, nicht hypothetische

Die ERGO-Partnerschaft ist nicht aus einem Pitch-Deck entstanden. Sie ist entstanden, weil ich nachts nicht schlafen konnte. Wer aus echter Notwendigkeit heraus baut, baut robuster.

Uni-Partnerschaft anfragen
Discover
Bookings
Lend
Chats
Community